Mit erp-demo.de Sprachbarrieren niederreißen
Wirtschaft ohne Denglisch
ERP, MES, BI, CRM, CTP, JiT, SaaS und gar noch Cloud Computing … . Die IT-Welt spricht ihre eigene Sprache. In Abkürzungen und auf Englisch. Oft bleibt so das Verständnis für IT-Innovationen und ihren Nutzen für Unternehmen auf der Strecke.
Darum entwickelte das Berliner Softwarehaus PSIPENTA, ein Branchenspezialist für Unternehmenssoftware im Maschinen- und Anlagenbau sowie im Bereich Automotive, das Online-Portal www.erp-demo.de. Es erklärt Enterprise Resource Planning auf eine ganz neue, anschauliche Weise. manage it ließ sich von Oliver Schmidt, Leiter Geschäftsentwicklung bei PSIPENTA, das neue Portal erklären.
Herr Schmidt, wer PSI auf der diesjährigen Cebit besuchte, bemerkte auf der Rückseite Ihres Messestands ein Angebot – www.erp-demo.de –, dem kein Aussteller zuzuordnen war. Nur auf Nachfrage erfuhr man, dass PSI dahintersteckt. Ist das Geheimnistuerei oder gar vornehme Zurückhaltung?
Weder noch! Wir wollten mit dieser auf den ersten Blick anonymen Präsentation den Charakter unseres neuen Info-Portals darstellen, das in erster Linie nicht der Werbung für ein bestimmtes Produkt, sondern der Information interessierter Besucher dienen soll.
Das ist ungewöhnlich. Wie sind Sie darauf gekommen?
Die IT-Welt kommuniziert zum größten Teil in Form von Anglizismen und Akronymen. Ist man in dieser Fremdsprache nicht einigermaßen fit, gibt es kaum eine Möglichkeit, sich umfassend etwa zum Thema ERP zu informieren. Ohne Sekundärliteratur oder einen beratenden Wirtschaftsinformatiker bleibt der mittelständische Anwender auf der Strecke, wenn er sich nur einmal vorab informieren will, welche Art von Software für sein Unternehmen und seine Probleme geeignet sein könnte. Daher haben wir es als Herausforderung angesehen, die IT-Sprache für den normalen Nutzer verständlich zu machen und ihm – ohne gleich für ein bestimmtes Produkt zu werben – Informationen an die Hand zu geben, was heute mit moderner Informationstechnologie machbar ist.
Wie sind Sie da vorgegangen?
Unter www.erp-demo.de findet der Interessent eine aufwändig gestaltete virtuelle Fabrik mit allem Drum und Dran. So, wie sie fast jeder, der sich für das Thema ERP interessiert, aus seinem Alltag kennt. Es gibt die Finanzbuchhaltung, die Arbeitsvorbereitung, die Konstruktion, Fertigung, Lager und Versand, eben alle Abteilungen, die in einem Unternehmen der fertigenden Industrie zu finden sind. Man kann seinen eigenen Arbeitsplatz aufsuchen und bekommt dort Informationen in einer verständlichen Sprache ohne Fachkauderwelsch. Das ist für uns ein wichtiges Moment für den Einstieg.
Anschließend muss ich mich von Arbeitsplatz zu Arbeitsplatz vortasten oder wie läuft meine Werksbesichtigung ab?
Das ist natürlich eine Möglichkeit. Eine weitere besteht in dem Ansatz zu sagen, ̒ ich bin ein Unternehmen aus dem Maschinen- und Anlagenbau und möchte eine geführte Tour ̓. Auf dieser Tour wird dann auf alle Punkte hingewiesen, die heute für die EDV-Landschaft in wichtig sind und die moderne EDV-Systeme unterstützen, etwa Servicemanagement oder wachsende Stücklisten.
Wie detailliert sind diese Infos dann?
Sie sind in der Regel dreigeteilt. Meist haben wir zunächst ein Kundenstatement. Da wird nicht das Hohe Lied auf Psipenta gesungen, sondern ein Kunde erläutert, warum er eine Software einsetzt – beispielsweise zum Thema Mehrwerkesteuerung –, wie er sich diesem Thema genähert hat und was ihm die Software nach ihrer Einführung gebracht hat.
Eine zweite Information stellen wir in Form einminütiger Webcasts zur Verfügung, wie der jeweilige Themenbereich durch Software abgedeckt ist. Das bedeutet die erste Begegnung mit einer Oberfläche, durch die der Anwender moderiert geführt wird und nicht selbst bestimmte Felder ansteuern oder anklicken muss. Vorkenntnisse sind also nicht erforderlich.
Die dritte Info besteht dann in der Beschreibung der Leistung des passenden Moduls aus unserem Software-Angebot, die natürlich auch dazu benutzt werden kann, um bei anderen Anbietern Vergleichsdaten abzufragen.
Was ist neu an diesem Portal bzw. was macht es in gewisser Weise einzigartig?
Ich kenne kein Portal, das in ähnlicher Weise umgesetzt ist. Es gab Ansätze von ERP-Anbietern, etwa durch kurze Filme Kundenstatements zu positionieren, aber nie mit dem Anspruch, die Sprache IT in einen mittelstandsgerechten Sprachgebrauch zu übertragen. Bewegte Bilder wurden nur dazu benutzt, für bestimmte Produkte zu werben. Genau das verfolgen wir in erster Linie nicht. Wir wollen demjenigen, der sucht, die Möglichkeit geben, zu verstehen und zu definieren, was er überhaupt braucht und sinnvoll in seinem Unternehmen einsetzen kann.
Muss der Anwender ihr Portal mit viel Papier und Schreibgerät besuchen?
Natürlich nicht, wir leben schließlich IT. Man kann sich interaktiv im virtuellen Unternehmen bewegen und beispielsweise Informationen, die man weiterverfolgen möchte, auf einem Merkzettel speichern. Am Ende gibt es dann eine Infoliste als Ausdruck oder als Datei. Das ist eine Liste mit Inhaltsverzeichnis und Gliederung, in der alle Sachen stehen, die mich momentan am meisten interessieren.
Muss ich mich anmelden oder einloggen um ihr Portal zu nutzen?
Wichtig war für uns, nicht sofort unsere Lösung in den Vordergrund zu stellen, sondern neutrale Begriffe wie Fertigungssteuerung in Zusammenhang mit IT zu bringen. So sind auch viele Themen auf diesem Portal zu finden, die nicht zu den Kernkompetenzen von PSI gehören. Spontan fallen mir da Produktdatenmanagement, Qualitäts- und Dokumentenmanagement ein. In den Unternehmen sind das jedoch wichtige Themen. Darum klären wir sie erst einmal ganz neutral und präsentieren dann zum Schluss Lösungen aus unserem breit gefächerten Partnernetzwerk.
Natürlich ist es für uns wichtig, zu wissen, wer sich für unsere Themen interessiert. Darum haben wir ab einer bestimmten Detailebene eine Registrierung vorgesehen. Bis dahin bestehen die Infos aus Beschreibungen und Headlines. Ich muss mich also nur registrieren lassen, wenn ich sehe, hier genau ist der Punkt, der mich interessiert. Zudem ist eine Registrierung zum Teil auch juristisch erforderlich, da wir zum Beispiel Kurzfilme mit Statements unserer Kunden präsentieren. Wir wollen da einfach auf der sicheren Seite sein.
Wer gehört zu den Zielgruppen des Portals?
Wir adressieren grob drei Zielgruppen: Da sind einmal die klassischen Interessenten, die sich mit dem Thema Software beschäftigen müssen, weil sie Programme einsetzen wollen. Die zweite Gruppe besteht aus unseren Kunden, denen wir über ein Berechtigungskonzept auf diesem Portal Schulungsunterlagen, eine Community und eine Anbindung an unsere Hotline bieten. Informationen, die früher über Printmedien oder Kundentagungen weitergegeben werden mussten, können jetzt viel schneller transportiert werden.
Der dritte wichtige Bereich sind die Hochschulen. In den vergangenen Jahren mussten wir dort immer aufwändige Installationen vornehmen, später auf neue Releases umstellen und das Personal, das den Studenten die Inhalte vermitteln soll, wieder schulen. Mit dem Portal haben wir die Möglichkeit geschaffen, dass sich Studenten schnell und einfach in studiengerechten Portionen über relevante Prozesse informieren können. Man muss PSIpenta also nicht nach einer einwöchigen Einführung erst einmal studieren, sondern bekommt schon durch die Webcasts einen Einblick, wie die Software die Prozesse umsetzt – und zwar nicht als theoretische Möglichkeit, sondern am praktischen Beispiel.
Vielen Dank für das Gespräch.
(Quelle: manage it 3-4|2010 www.ap-verlag.de)
